Jazz Improvisation

Skalen, Modus und Substitutionen

Ein praktischer Einstieg in die musikalische Logik hinter Tonleitern, Modi und spannenden Jazz-Skalen.

Modi Substitutionen Improvisation
Einleitung

Die Improvisation – also das Solieren im Jazz – ist eine der größten Herausforderungen für Musiker. Neben der Reaktion auf die Mitmusiker und auf die musikalischen Impulse der Band muss man sich zugleich orientieren: Wo befindet man sich im Stück? Welcher Akkord liegt gerade zugrunde? In welche Kadenz ist er eingebettet?

Dazu kommen Rhythmik, Stimmführung und das richtige Timing der eigenen Floskeln. Skalen bieten dabei ein grundlegendes Werkzeug für die Improvisation. Genau hier setzt der Skalenrechner von jazz-scales.com an: Er hilft, passende Skalen zu finden und alternative Tonleitern als inspirierende Perspektiven zu entdecken.

Modale Skalen

Betrachtet man eine Skala nicht von ihrer ersten Stufe aus, entsteht eine neue Tonleiter mit demselben Tonvorrat. Diese abgeleiteten Skalen werden neu benannt. Die Kirchentonleitern sind das klassische Beispiel für dieses Vorgehen: Wenn man die ionische Dur-Skala von ihrer zweiten Stufe an beginnt, entsteht die dorische Moll-Skala. Der Tonvorrat der ionischen und der dorischen Skala ist identisch – auch wenn sie unterschiedliche Funktionen und Klangfarben haben.

Beispiel: Modale Skalen basierend auf der ionischen Tonleiter mit Grundton C (Ton B ist als deutsches H zu sehen):

  I II III IV V VI VII
Ionisch C D E F G A B
Dorisch D E F G A B C
Phrygisch E F G A B C D
Lydisch F G A B C D E
Mixolydisch G A B C D E F
Äolisch A B C D E F G
Lokrisch B C D E F G A

Im Jazz werden häufig Modi der melodischen und harmonischen Moll-Skala verwendet. Die siebte Stufe der melodischen Moll-Skala heißt „alterierte Skala“. Die fünfte Stufe der harmonischen Moll-Skala wird als HM5 bezeichnet.

Weiterführende Literatur zur Skalen- und Akkordtheorie, wie sie an der Berklee College of Music gelehrt wird:
Skalen Substitutionen

Da der Tonvorrat modaler Skalen mit der zugrundeliegenden Skala identisch ist, können diese Skalen substituiert werden. So kann man anstelle der alterierten Skala auch die melodische Moll-Skala auf ihrer siebten Stufe spielen (z.B. Galt = A♭ melodische Moll). Der Tonvorrat bleibt dabei exakt gleich. Der Vorteil des Skalensubstituierens liegt darin, dass Musiker in der Lernphase nicht alle Skalen gleichermaßen intuitiv beherrschen: Die alterierte Skala ist für sich genommen recht sperrig, während die melodische Moll-Skala oft vertrauter klingt.

Ein Arpeggio über melodische Moll fällt vielen leichter als über die alterierte Skala. Auch eingeübte Riffs lassen sich so leichter übertragen. Eine Improvisation über Cmaj7 mit der dorischen Skala auf D klingt und fühlt sich anders an als mit der mixolydischen Skala auf G – obwohl der Tonvorrat identisch ist.

Gerade wenn man nach neuen Impulsen für seine Improvisation sucht, kann es hilfreich sein, andere Skalen als Substitut zu nutzen. Das Substituieren ändert gewissermaßen die Perspektive auf den Akkord. Genau dieser Perspektivenwechsel war die Motivation für den Skalenrechner, der dabei hilft, passende Skalen-Substitute zu finden.

Weiterführende Literatur zur Harmonielehre und Improvisation im Jazz
 


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